Australien 2018 - 3. Woche

Montag, 28.05.2018 (284 km)
Obwohl in Australien jetzt der Winter beginnt, sind die kalten Tage vorbei. Wir haben gestern Abend die 2. Decke zusammengefaltet und verstaut. Heute morgen war es mit 17°C im Wohnmobil schon recht angenehm. Die nächsten Tage werden wir auch nachts die 20°-Marke nicht mehr unterschreiten und am Tage immer so um die 33 - 37°C haben. Die Klimaanlage wird jetzt nur noch zum Kühlen eingesetzt. Es macht sich halt bemerkbar, dass wir immer weiter in Richtung Äquator fahren. Dies merkt man auch daran, dass wir kurz hinter Alice Springs den Wendekreis des Steinbocks passieren. Inzwischen ist hier richtig was los. 2002 war es halt ein kleiner Parkplatz mit der Weltkugel. Jetzt gibt es auch Übernachtungsmöglichkeiten und Toiletten.
Unterwegs ist nicht viel los, Gisela fotografiert wieder entgegen kommende Road-Trains. Der große eiserne Mann, der über Aileron thront, hat jetzt auch eine Frau sowie ein paar Haustiere bekommen. Das ganze hat nichts mit Tradition sondern mehr mit Kunst zu tun.
Unser heutiges Ziel, das Barrow Roadhouse erreichen wir schon kurz nach Mittag. Die Anzahl der Stromanschlüsse ist hier begrenzt und so habe ich uns am Tag vorher angemeldet. Aber um diese Uhrzeit sind eh noch einige frei. Im Roadhouse hat sich auch nicht viel verändert, seit es Blacky Fuchsberger im deutschen Fernsehen vorgestellt hat. Inzwischen ist der alte Inhaber verstorben und sein Nachfolger betreibt es nun seit etwa 10 Jahren. Mit ihm und einigen anderen Gästen haben wir ein paar abwechslungsreiche Stunden. Später wollen wir die Telegrafenstation besichtigen. Sie ist gleich neben dem Roadhouse. Da sie aber wegen Einsturzgefahr gerade saniert wird, können wir sie nur von außen besichtigen. In Barrow Creek war auch der einzige negative Vorfall in der Geschichte der Telegrafen-Linie von Darwin nach Adelaide: Eingeborene überfielen die Station und töteten den Postmaster und einen Angestellten. Ihre Gräber sind heute noch vorhanden und werden auch entsprechend gepflegt. Die Station war damals einige Zeit verweist, bis das Militär wieder für Ordnung sorgte.
Abends fotografiert Gisela noch einen schönen Sonnenuntergang.
Dienstag, 29.05.2018 (253 km)
Vom Barrow Creek geht es heute weiter nach Threeways Roadhouse. Es ist auch nicht allzu weit aber wir wollen unterwegs noch Rast bei den Devil's Marbles machen. Diese Murmeln hatten uns schon 2002 beeindruckt. Damals waren sie allerdings kaum zu erreichen, man musste noch ein gutes Stück zu Fuß gehen. Und allein waren wir auch dort. Nun führt eine geteerte Straße zu einem großen Parkplatz und man ist wirklich nicht alleine. Allerdings sind die Steine jetzt besser mit Rundwegen markiert. Dass Steine in der Mitte brechen liegt am Regen, der hier jedoch nur selten fällt. Er dringt in die feinen Poren der Steine ein und reagiert mit einem bestimmten Element in den Steinen. Dadurch kommt es dann irgendwann zu dem gezeigten glatten Bruch. Auf diese Weise werden sich die Steine im Laufe der nächsten Jahrtausenden (oder noch länger) ganz pulverisieren.
Wir fahren weiter nach Tennant Creek wo wir in einem Supermarkt einkaufen gehen. Ein Besuch des Minenmuseums fällt auch nur kurz aus, da es im Augenblick nichts zu sehen gibt und eine Führung erst in 2 Stunden beginnt. So lange wollen wir nicht warten und beschließen, noch bis zum nächsten Roadhouse weiterzufahren. Beim Tanken in TC sind uns noch einige sonderbar aufgemotzte Fahrzeuge begegnet; scheint irgendwo ein Treffen dieser Freaks zu sein.
Die Telegrafenstation ist total verwaist. Gisela gelingt ein Foto durch die Fensterladen-Lamellen aber sonst ist hier auch nichts los.
Wir kommen deshalb schon früh am Nachmittag beim Threeways Roadhouse an und checken hier ein. Internet funktioniert hier nicht aber Mails kann ich über mein Smartphone auslesen und beantworten. Threeways übrigens, weil hier kurz zuvor (nur wenige 100 m) die A1 Richtung Queensland (via Mt. Isa) nach rechts vom Stuart Hwy. abzweigt.
Mittwoch, 30.05.2018 (329 km)
Vom Threeways Roadhouse fahren wir früh wieder los. Unseren ersten Stop machen wir in Renners Spring. In diesem Roadhouse wird auch gesammelt, scheint so ein Hobby im Norden zu sein. Unzählige Kopfbedeckungen hängen hier an den Wänden und an der Decke. Nach einer Kaffeepause geht's über leere Straßen weiter in Richtung Norden. Gisela fotografiert wieder entgegen kommende Road-Trains. Ein besonders großer war noch in Renners Spring gestanden. Jetzt säumen die Straße auch wieder unzählige Termitenhügel. Sie sind aber noch nicht so groß, die kommen erst später.
Am Dunmarra Rdhs. hatten wir 2002 auch übernachtet. Inzwischen ist es wohl ein beliebter Übernachtungspunkt geworden. Jedenfalls wird es ganz schön voll. Da wir aber früh genug hier sind, ist dies für uns kein Problem. Aber hier gibt es einen kleinen aber sehr erfrischenden Pool. Klar, dass ich da sofort reinspringe. Das Wasser ist sauber und kalt. Leider hält die Frische bei diesen Temperaturen nicht lange vor.
Es gibt es hier weder Mobiltelefon-Empfang noch Internet. Na ja, für eine Nacht geht's. Dann komme ich hier mit dem Bericht wenigstens weiter. Zum Aufbau der Funkanlage habe ich auch keine Lust.
Donnerstag, 31.05.2018 (321 km)
Da Road-Train-Fahrer oft die unangenehme Eigenschaft haben, ihren Motor auch während der Pause weiterlaufen zu lassen, war die Nacht recht unruhig und laut. Aus diesem Grund ist es für uns kein Problem, früh aufzustehen. Wir sind deshalb auch schon wieder früh unterwegs. Um diese Uhrzeit muss man auf der Straße besonders aufpassen. Wir sehen ein Känguru am Straßenrand. Es hoppelt aber in den Wald zurück, gut für uns und das Tier. Larrimah macht Werbung als "Home of the pink Panther". Naja, der hat auch schon bessere Tage gesehen. In Deutschland kennt ja auch kaum noch jemand die Serie.
Unsere nächstes Ziel ist Makaranka. Kurz vor der Stadt kommen uns Polizei- und Feuerwehrfahrzeuge mit Einsatzsignalen entgegen. Später fährt auch noch ein Krankenwagen mit Sirene hinterher. Wir haben auf der Strecke jedoch nichts besonderes gesehen. In Mataranka fotografiere ich Gisela wieder an dem besonders großen Termitenhügel. Inzwischen ist hier ein Park herum entstanden. 2002 war hier außer dem Termitenhügel nichts.
In Katherine blockiert ein parkender Road-Train die Wartespur für Wohnwagen, was auf der Straße zu einem kleinen Chaos führt. Da jetzt doch viele gleichzeitig einchecken wollen, ist die Rezeption im Stress. Aber am Schluss bekommt doch noch jeder seinen Platz. Gleich hinter dem Campingplatz führt ein Fußweg zu den heißen Quellen. Für mich heißt das: Badetag. Mit angeblich 32°C sind die Quellen nicht unbedingt heiß aber angenehm warm. Das Wasser kommt hier in einem großen Schwall aus dem Felsen und speist danach gleich einen kleinen Bach. Es gibt mehrere Stellen, an denen man ins Wasser kann. An der Quelle ist es schwierigsten. Deshalb sind dort die wenigsten Leute, ich bin jetzt sogar alleine. Ganz in der Nähe fließt der Katherine River. Hier ist baden aber keine so gute Idee, da man von den Krokodilen gerne als Futter gesehen wird. Wieder auf dem Campingplatz springe ich aber noch in den Pool. Denn dieser ist deutlich kühler und erfrischender. Den Abend verbringen wir bei einem guten Glas Wein vor unserem Wohnmobil.
Freitag, 01.06.2018 (92 km)
Wir haben heute nur eine Kurze Etappe vor uns. In Pine Creek zweigt der Kakadu Hwy vom Stuart Hwy ab. Ich will mal schauen, ob wir dort mehr Informationen bekommen.
Von Katherine geht es nun weiter nach Norden. Noch im Stadtgebiet sehen wir links von uns die alte Eisenbahnbrücke über den Fluss. Sie wurde erst vor ca. 40 Jahren stillgelegt und führte von Alice Springs nach Darwin. Die neue Bahnlinie verläuft mehrere km westlich von hier. Die Straße ist wieder leer. Von den Brücken kann man manchmal noch den Rest der Regenzeit, die erst vor 2 Monaten zu Ende gegangen ist, sehen. Es sind nun Tümpel, hier Billabongs genannt. Auch sie werden bis zum Ende der Trockenzeit im Oktober ausgetrocknet sein. Solange dienen sie aber der Tierwelt als Tränke.
Aboriginals kennen 6 Jahreszeiten. Zurzeit ist die Zeit des Burnings. Jetzt werden die niedrigen Büsche angezündet und brennen ab. Das Feuer erlischt irgendwann von selbst. Traditionell ist dies eine wichtige Jahreszeit im Recycling der Natur. Waldbrände sind hier zurzeit ganz normal. Nur wenn irgendein Haus oder sonstiger Wertgegenstand in Gefahr ist, muss das Feuer angezeigt werden. Ansonsten interessiert es niemanden.
Pine Creek hat schon bessere Zeiten gesehen. Heute hat es noch etwa 400 Einwohner und wirkt schon sehr verlassen. Früher wurde hier Gold abgebaut und die Eisenbahnlinie ging mitten durch den Ort. Die Gleise wurden teilweise abgebaut und eine kleine Wasserlandschaft errichtet. Erst ab Höhe unseres Campingplatzes (Lazy Lizard) fangen die Gleise wieder an und führen weiter zum Bahnhof. Es muss damals ein wichtiger Bahnhof gewesen sein, denn es führten hier 5 Gleise parallel. Heute ist alles verwaist. Nur im kleinen Museum kann man noch einiges aus der Blütezeit sehen.
Ansonsten ist es heute ein verlassenes Nest, allerdings mit 4 Campingplätzen und 2 preisgünstigen Tankstellen. Telefon-Netzempfang hatte ich hier auch keinen und der WLAN-Router des Campingplatzes war defekt und hatte keinen Zugriff ins Internet. Aber ganz offline war ich nicht, denn ich hatte zumindest eine Funkverbindung ins benachbarte Queensland.
Samstag, 02.06.2018 ( 165 km)
Gleich hinter Pine Creek fotografiert Gisela noch einen besonders großen Termitenhügel. Kein Netz heißt aber auch keine E-Mails. Heutzutage fühlt man sich dabei nicht sehr wohl. Deshalb bin ich froh, dass mir auf unserem Weg in den Kakadu-Nationalpark mein Smartphone beim Mary River Roadhouse einen Netzempfang anzeigt. Ich habe nun also genug Zeit, das Verpasste zu erledigen. Nur einen Park-Pass kann die freundliche Dame hinterm Tresen mir hier nicht verkaufen. Den würde ich erst im Park bekommen.
Gleich hinter dem Roadhouse ist auch der Beginn des Nationalparks. Unser nächster Anlaufpunkt ist nun der Cooinda Lodge Caravanpark. Unterwegs sehen wir noch einige große Termitenhügel. Die Termiten haben für so einen großen Hügel mehrere 100 Jahre benötigt aber Zeit spielt hier keine Rolle. In der Lodge kaufen wir auch den obligatorischen Park-Pass (40 AUD/Pers.).
Es ist heute unser heißester Tag - um 15h30 messe ich beim Wohnmobil 37,7°C im Schatten. Keine schlechte Temperatur für einen beginnenden Winter. Für den Abend haben wir auf den Yellow Waters eine Schiffstour gebucht (90 AUD/Pers.). Mit einem solchen Boot fahren wir nun durch die Flusslandschaft. Baden ist in diesen Gewässern keine gute Idee. Abgesehen davon, dass das Wasser ziemlich dreckig ist, wird man hier doch gerne als Abendessen angesehen. Dazu haben wir aber keine Lust und halten uns strikt an die Sicherheitsvorschriften. Aber es gibt nicht nur viele Krokodile sondern auch andere Tiere. Ebenso sind die Mangrovenpflanzen bzw. -bäume schon etwas besonderes. Die Abendtour endet mit einem spektakulären Sonnenuntergang in den Sümpfen.
Als wir wieder auf dem Campingplatz ankommen, ist es bereits stockdunkel.
Sonntag, 03.06.2018 (0 km)
Nachdem wir gestern Abend noch unterwegs waren, ist heute ein Pausentag. Pause heißt wirklich Pause, auch kein Internet. Cooinda Lodge ist Telstra-Gebiet, alles andere funktioniert nicht. Und WLAN wird hier nicht angeboten, auch nicht gegen Bezahlung.
Gisela nutzt den Vormittag zum Wäsche waschen. Bei diesem Wetter ist diese auch sehr schnell trocken und Bügeleisen gibt es genug. Danach gehen wir zum Pool. Bei gemessenen 36,6°C ist es hier recht gemütlich. Die Poollandschaft ist sehr groß (es gibt zur Not auch noch einen separaten kleineren Pool) und wird nur begingt genutzt. Es ist also ruhig.
Zum Abendessen gehen wir ins Bistro am Platz. Den Hamburger mit 300gr Fleisch schaffe ich ja gerade noch, aber Gisela hat mit ihrer Pizza dann doch große Probleme. Die kennen hier scheinbar nur Familienportionen. Aber den Rest einpacken und mitnehmen ist hier normal. Wir bekommen problemlos Verpackungsmaterial und haben gleich für den nächsten Tag unser Abendessen.
Zum Abend werden wir wieder von einer Schar Kakadus besucht. Erst wenn die auch zu Bett gegangen sind, wird es auf dem Platz ruhig. Vorher machen die noch einen ganz schönen Krach. Der Name des Nationalparks kommt übrigens aus der Aboriginal-Sprache und hat mit den Vögeln gleichen Namens nichts zu tun.

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